Цыганок Анатолий Дмитриевич
Центр военного прогнозирования, член-корреспондент Академии военных наук, член Общественного совета Председателя Военно-промышленной комиссии при Правительстве Российской Федерации, доцент факультета мировой политики МГУ.


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Den Schleier lüften.Antiterrormaßnahmen müssen transparent gegenüber der Bevölkerung sein - sagt der russische Experte Anatolij Zyganok.

Die Russen müssen sich auf eine jahrzehntelange terroristische Bedrohung einstellen. Das sagt Anatolij Zyganok, Leiter des Zentrums für militärische Prognose beim Institut für politische und militärische Analyse. Im MDZ-Interview erläutert er, welche Maßnahmen aus seiner Sicht am dringlichsten sind, damit das Risiko weiterer Terroranschläge verringert wird.

Herr Zyganok, wie kann die Zivilbevölkerung besser vor Anschlägen geschützt werden?

Es müssen staatliche Programme ausgearbeitet und angewendet werden, die unter anderem auf die Ausbildung von Spezialisten für öffentliche Sicherheit und den Kampf gegen den Terror zielen. Bislang wechseln hier die Zuständigkeiten: Früher war es die Armee, nun ist es der Geheimdienst. Das Wichtigste ist aber, alle Lebensbereiche einzubeziehen und die Menschen aufzuklären, damit sie aktiv mitwirken. Es muss klar gemacht werden, dass der Terrorismus uns noch über Jahrzehnte verfolgen wird. Damit neues Vertrauen in die Geheimdienste und die Miliz entsteht, muss die Tätigkeit der zuständigen Behörden so weit wie möglich transparent gemacht werden. Im Präventivbereich müssen die technischen Möglichkeiten des Informationszeitalters ausgeschöpft werden. Zum Beispiel müssen alle Mobiltelefone mit Signaltönen für Gefahren ausgestattet werden und entsprechende Kurznachrichten empfangen können. Über Moskau und dem Nordkaukasus müssen auf einer Höhe von 36 Kilometern Satelliten Bodenüberwachung leisten. Wichtig sind auch herkömmliche Mittel: Jede Metrostation sollte etwa sechs Spürhunde haben.

Sind die Maßnahmen des Staates in den vergangenen Jahren sowie die von Präsident Medwedew angekündigten Schritte nicht ausreichend?

Sie sind nicht ausreichend. Auch wenn Moskau mit seinen elf Millionen Einwohnern nicht an die Möglichkeiten von Israel herankommt, sollten die Erfahrungen von Paris und London berücksichtigt werden. Das Wichtigste ist aber, das Image der Ordnungshüter zu verbessern, damit die Bevölkerung mit ihnen zusammen gegen den Terror vorgeht. Wenn das in fünf bis zehn Jahren nicht gelingt, ist eine Epoche des Terrors unausweichlich. Heute werden andererseits viele Anschläge vereitelt, die Öffentlichkeit erfährt wenig davon. Das sind verschenkte Pluspunkte.

Was können Reformen in Armee und Miliz bewirken?

Wünschenswert wäre, die Kommunalmiliz wieder einzuführen. Vor 15 Jahren wurde sie schon einmal geschaffen. Die besondere Auswahl der Kandidaten setzte unter anderem einen Hochschulabschluss voraus. Die Polizisten unterzogen sich psychologischen Trainings, verdienten besser als ihre Kollegen und deckten sehr viele Fälle auf. Nach zwei Jahren wurde die Kommunalmiliz aber wieder abgeschafft.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Drahtzieher der Terrorakte von Ende März gefasst werden?

Ich bezweifle, dass sie gefunden werden. Noch vor zehn Jahren kämpften wir mit den Terroristen in den Bergen, sie waren also verhältnismäßig gut sichtbar. Jetzt hat sich die Situation zur negativen Seite hin verändert. Meinen Studenten führe ich das Beispiel Israel an. In diesem Staat gab es in 63 Jahren seiner Existenz 61 Selbstmordattentate, bei uns sind es seit 2004 schon 47 Fälle „lebendiger Bomben“.

Wie ist diese Tendenz zu erklären?

Das Problem liegt darin, dass sich die Vorbereitung der Terroristen verändert hat. Früher ging es meistens um direkte Angriffe, heute spezialisieren sich die Terroristen im Nordkaukasus auf die Vorbereitung „lebendiger Bomben“. Das ist ein langwieriger Prozess, er nimmt nicht weniger als ein bis eineinhalb Jahre ein. Im Nordkaukasus kann ein Kämpfer drei bis vier Frauen haben. Die ersten gebären ihm die Kinder, und die dritte oder vierte ist dafür da, den Mann zu rächen, wenn er getötet wird. Mit Hilfe von Hypnose, Drogen und Suggestion wird sie dann darauf vorbereitet, die Rache zum Preis des eigenen Lebens als Pflicht zu sehen.

Und wie kann diese Situation beeinflusst werden?

Das ist sehr kompliziert. Zum einen sollten die großen Finanzströme besser kontrolliert werden, die den Terroristen ihre Operationen erst ermöglichen, zum anderen ist es Aufgabe des Geheimdienstes, besonders die jüngeren Frauen der Kämpfer unter Beobachtung zu haben. Das Klansystem des Nordkaukasus macht es aber Nicht-Angehörigen extrem schwierig, sich in die Privatsphäre der Menschen einzuschleusen.

Experten sehen heute einen Schwenk vom Separatismus zum islamischen Fundamentalismus als Hauptmotiv der nordkaukasischen Terroristen.

Das ist so und wird heute noch stark unterschätzt, wobei das eine das andere leider nicht ausschließt. Ziel ist ein islamistischer Staat im Nordkaukasus. Während gegen separatistischen Terrorismus eine Anhebung des Lebensstandards helfen soll, was Russland schrittweise bezweckt, dürfte das gegen die Gehirnwäsche fundamentalistischer Gruppierungen wenig ausrichten können. Selbst das wohlhabende Deutschland erlebt eine neue Rekrutierungswelle von militanten Islamisten. Äußerlich fallen solche Fanatiker oft nicht auf. Die Fragen stellte Jochen Stappenbeck.

Дата — 24 Апреля 2010 года
Опубликовано — M o s k a u e r D e u t s c h e Z e i t u n g N r . 7 ( 2 7 8 ) A p r i l 2 0 1 0

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